Dienstag, 29. November 2016

Die deprimierende 3. Jahreszeit

Kennt ihr das auch? Jedes Jahr zur gleichen Zeit kommen die Herbstdepressionen. Sie sind nicht immer gleich schlimm. Und greifen nicht immer gleich an. Dieses Jahr zum Beispiel sind sie an sich nicht sonderlich schlimm. Ich bin nicht traurig, eigentlich nie niedergeschlagen, ich fühle mich nicht zum Heulen oder möchte die Welt verfluchen. Dafür bin ich diesjahr müde. So müde, dass ich schon einen Schwangerschaftstest gemacht habe. Denn so müde war ich bisher erst ein einziges Mal in meinem ganzen Leben und das war zu Beginn meiner Schwangerschaft mit Raphael.

Aber abgesehen von der diesjährigen Müdigkeit kann ich mich auch deutlich an den Herbst der letzten vier Jahre nur zu gut erinnern.
Vor fünf Jahren war ich gerade in Frankreich, hatte schreckliches Heimweh und war mir nicht sicher, ob ich nach den Weihnachtsferien wieder nach Frankreich zurückkehren wollte.
Vor vier Jahren war ich NOCH in Frankreich, saß oft tagelang grundlos heulend auf dem Sofa, wusste nicht was mit mir los war und es resultierte darin, dass ich mein zweites AuPair Jahr abbrach und wieder nach Deutschland, zurück zu meiner Familie ging.
Vor drei Jahren war ich gerade in Regensburg angekommen, blickte überhaupt nicht in meinem Studium durch, fand meine neuen, finanziellen Verpflichtungen ziemlich anstrengend, bemitleidete mein Single-da-sein ganz schrecklich und neidete meiner besten Freundin ihre Schwangerschaft und bevorstehende Geburt (tut mir schrecklich Leid Rieke. Ich hoffe du weißt, dass ich dir dein Glück mit deiner Tochter von Herzen gönne und gegönnt habe. Aber genauso eifersüchtig war ich auf dich eben auch.)
Vor zwei Jahren war ich gerade in der Trennungsphase von meinem letzten Ex-Freund und verabschiedete mich endgültig von meinem Traum jung (idealerweise mit 24) Mutter zu werden und zu heiraten. Ehrlich gesagt verabschiedete ich mich auch irgendwie von dem Traum, geliebt zu werden und einen Mann zu verzaubern, einfach nur mit meinem Wesen. So deprimiert war ich in dem Jahr. Obwohl ich gleichzeitig beschloss, mich nie wieder unter Wert zu verkaufen. Ein wenig paradox, ich weiß.
Und letztes Jahr war eigentlich schon alles fast perfekt. Ich war frisch verheiratet mit dem Mann meiner Träume, gerade frisch schwanger. Ich hatte sogar genau die Figur, die ich mir immer erträumt hatte, so schlank war ich. Und ich konnte den ganzen Tag nichts anderes tun, als zwischen Bett und Toilette hin- und herzupendeln und mir die Seele aus dem Leib zu - entschuldigt den Ausdruck - kotzen. Und diesmal ging es so weit, dass ich ernsthaft überlegte, ob ich dieses Kind, was ich mir so sehr gewünscht hatte, wirklich bekommen sollte.
Dieses Jahr hadere ich eigentlich kein Stück mit meinem Leben. Mein Mann steht jeden Morgen ohne zu murren und zu knurren auf, holt uns je eine Schüssel Müsli ans Bett, geht zur Arbeit. Ich darf mit unserem Sohn noch eine Zeit lang weiterschlafen (so denn Herr Filius geneigt ist noch ein wenig zu schlafen), dann stehen wir gemütlich auf, kämpfen darum, wie viel von seinem Morgenbrei er heute verdrücken möchte (und somit auch wer von uns beiden sturer ist), das selbe Spiel noch einmal beim Mittagessen. Und zwischendrin schmusen und spielen wir, ich putze zwischendrin immer wieder ein bisschen, mach mal was für die Uni, lese oder stricke eine wenig (okay, zu den letzteren drei Aktivitäten komme ich in Wahrheit mehr als selten).... Es ist schön. Ich habe Spaß. Und montagnachmittags und Donnerstag den ganzen Tag gehe ich in die Uni, darf einfach mal ICH sein, nicht immer nur Mama. Es ist das Leben, was ich mir immer erträumt habe.
Das Einzige, was zum absoluten Glück noch fehlt, und was mir leider mein ganzes Glück zur Zeit ordentlich vermiest, ist Schlaf. Diese Müdigkeit. Die Energielosigkeit. Vielleicht hängt es auch gar nicht mit dem Herbst zusammen. Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass ich seit 6 Monaten nicht mehr als 2 Stunden am Stück geschlafen habe (okay ich gebe zu es gab Ausnahmen). Aber ich verfluche jeden und alles zur Zeit, wenn ich WIEDER morgens um 8 aufstehe, um Frühstück zu machen. ICH WILL DOCH EINFACH NUR SCHLAFEN.

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